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T.T.Heinze 1846-1945
Geschichte eines niederschlesischen Industrieunternehmens

Teil 1: Von der Gründung bis zum Beginn industrieller Fertigung (1846-ca 1900)

1846
21.4.
Gründung der Fa. T.T. Heinze in Brieg durch Theodor Traugott Heinze (*16.8.1815 +18.5.1880),
Bild Theodor Traugott Heinze Oels
Die Geschäftsräume befanden sich zunächst in der Mollwitzerstraße. Es wurde Einzelhandel mit wachsendem Schwergewicht auf Papier- und Bürobedarf betrieben. Beginn handwerklicher Papierverarbeitung.

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Alsbald nach der Gründung wurden bereits gebundene Kontobücher nach Breslau geliefert, die Buchbinderarbeiten wurden damals noch an Handwerker vergeben. (1).
1863 Umzug zum "Ring" (Nachbarschaft zur "Dresdner Bank"), später zur Langestraße (2). Siehe auch den unten wiedergegebenen Stadtplan (zu 1863).
Anschaffung einer ersten Heftmaschine, von Hand betrieben, Schwiegervater Heinrich Gottlob Jander lieh das Geld (3).
1880
18.5.
Theodor Traugott Heinze gestorben (auch deutsche Register sind manchmal unzuverlässig: das Standesamt Brieg hat in den 1930er Jahren das Todesdatum mit 18.5.1848 beurkundet. Rudolf Heinze hat das seiner Familie gegenüber berichtigt). Seine Witwe Wilhelmine geb. Jander (*6.12.1829 +2.5.1885)

Wilhelmine Heinze geb. 
	Jander       Haus Jander Brieg


führt das Geschäft mit Hilfe der Söhne Theodor und Hugo fort. Theodor musste aus diesem Anlass seine Lehre bei einer Berliner Papiergrosshandlung abbrechen. In Berlin hat er neben einer erweitertenh Orientoierung im deutschen und europäischen Raum unternehmerische Anregungen mitgebracht.

In der Unternehmensleitung lag das Schwergewicht der Tätigkeit von Theodor in den Bereichen Technik, Organisation und Finanzierung, das von Hugo im Bereich des Vertriebs und der Vertretung nach aussen.(3)     (Siehe auch Fußnote Jander/Heyn)
80/90er
Jahre
Anschaffung der ersten Buchdruck-Schnellpresse (linkes Bild) (5). Da es keine Elektrizität gab und eine Dampfmaschine im Stadtzentrum nicht aufgestellt werden konnte, wurde dazu ein kleiner Gasmotors (etwa Tischgröße) der Fa. Köln-Deutz (rechtes Bild) erworben. (6)

Einfache Schnellpresse                                         Deutzer A-Motor
1883 Die Firma beschäftigt 25 Mitarbeiter (7).
1885 Tod von Wilhelmine Heinze geb. Jander. Theodor und Hugo Heinze führen das Unternehmen weiter.(8)
1889 Erwerb eines Grundstücks an der Dreiankerstraße (40 x 100 bis 150 m) von einem Landwirt (Titzmann) und Errichtung des ersten Betriebsgebäudes(20 x 40 m). Der Betrieb zieht in die Dreiankerstraße um (11).

Lageplan Dreiankerstraße
Sukzessiver Erwerb weiterer Grundstücke, bis sich der Grundstücksbestand der Fa. T.T.Heinze seit Anfang des 20. Jahrhunderts auf die in nachstehendem Luftbild von 1945 eingezeichnete Fläche erstreckte

Lage Dreiankerstraße


Die im Laufe der nächsten Jahre erworbene Grundstücksfläche an der Dreiankerstraße 4-8 (oder -12?) hatte eine Ausdehnung von ca 40.000-44.000 qm (Nachweis der Unternehmensgrundstücke).
ab 1889 Nacheinander wurden auf diesem Gelände an der Dreiankerstr. 6/7 die in folgendem Plan verzeichneten Fabrikations- und Nebengebäuden mit einer Geschoßfläche von zusammen ca 16.700 qm und einem umbauten Raum von ca 47.610 cbm errichtet (Nachweis Fabrikgebäude)

Lageplan Fabrikgebäude

Baumeister war Richard Heinze (Oels), der dritte Sohn von Theodor Traugott und Bruder von Theodor und Hugo. Eine ausführliche Familiengeschichte der Nachkommen von Richard bis zu Rina Gerhard und ihren Söhnen Theo Valentin *7.7.2006, Karl Alfred *21.6.2009 und Henri Willem ist hier nachzulesen. hier nachzulesen

HeinzeR HeinzeH


Dabei wurde großer Wert auf Dauerhaftigkeit, Tragfähigkeit der Gebäude für schwere Maschinen (aufgehende Ziegelwände, Betonpfeiler und -Decken, Tragfähigkeit 1000 kg/qm) und überwiegend mit Holzsteinböden, Sicherheit (Doppelte Stahl-Zwischentüren mit Feuerschutzschleusen) sowie Helligkeit und Belüftung der Arbeitsräume gelegt, noch nach heutigen Maßstäben haben die Fenster überdurchschnittliche Dimension; ungefähr die Hälfte davon waren mit Doppelfenstern und Holzrollos ausgestattet (Aufzeichnung Günzel Fußnote 42). Die Fabrikations-, Büro- und ein Teil der Lagerflächen waren zentral-dampfbeheizt. Es gab getrennte Umkleideräume für Männer und Frauen und gekachelte Toilettenräume (Aufzeichnung Kanler Fußnote 42). Der Firma gehörte auch das Wohngrundstück Dreiankerstr. 4 mit 7 Wohnungen und Nebenräumen (siehe Lageplan unten links).
1889
1891
Erichtung Gebäude A (bereits erwähnt) und D (siehe Lageplan)
1895 Erwerb eines 25 PS Generatorgasmotors der Fa. Deutz (vgl. Fußnote Energieversorgung), der so ähnlich ausgesehen haben dürfte wie der hier mit freundlicher Genehmigung der Fa. Deutz abgebildete Motor.


DeutzMotor1895
1896 Bau des Generatorenhauses (siehe Lageplan )
1899 Einbau des ersten Fabrikgebäude-Fahrstuhls, wahrscheinlich in Gebäude G. (Die Baujahre der Fahrstühle 1899, 1907 und 1911 sind in Anlage 5 des Oder-AG-Vertrages von 1944 - erwähnt.)
1890-

1900
Errichtung einer Villa an der Dreiankerstr. 6/7; nach einem Anbau von 1900 umfaßte das Gebäude 4 Wohnungen und eine Hausmeisterwohnung (12).

Villa 1890/1900
1900 Fa. Deutz liefert, wie dem Verfasser vom Beauftragten für die Werksgeschichte der Fa.Deutz, Herrn Voss, im September 2013 betätigt wurde, einen 60-PS-Gasmotor. Zugleich Anschaffung eines Dynamo. Die Stromerzeugungsanlage versorgte auch die 1900 fertiggestellte "alte" Villa.

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[1=1846 bis 1900; 2=Ausbau seit 1897; 3=Zenith; 4=Diktatur und Zusammenbruch; 5=Epilog]
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